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Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Bank in der Natur
©Michael Hagedorn

Musik und Demenz

Seit Juni 2021 läuft in der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) ein neues Forschungsprojekt für Menschen mit Demenz in der häuslichen Pflege und für ihre pflegenden Angehörigen.

Hören von Lieblingsmusik

Bei dem Projekt soll die Wirksamkeit und Akzeptanz einer App-basierten individualisierten Musikhörintervention bei Menschen mit Demenz, die zuhause leben, untersucht werden. Das Projekt wird durch den Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)-Spitzenverband der Pflege- und Krankenkassen gefördert und ist für Teilnehmende kostenfrei.

Die individualisierte Musik umfasst Stücke, die einen persönlichen und bedeutsamen Bezug zum Leben der Person vor der Demenzerkrankung haben. Das können Lieder aus der Kindheit, der Jugend- oder Erwachsenenzeit sein. Sie beschreiben einen Teil der Biografie der Menschen mit Demenz und sind mit positiven Erfahrungen und Gefühlen verbunden.

Projektidee

Die Arbeitsgruppe des Musikprojektes der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention untersuchte bereits erfolgreich die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit einer individualisierten Musikhörintervention von Januar 2018 bis April 2021. Es beteiligten sich Menschen mit Demenz in fünf Pflegeheimen in Thüringen (Erfurt, Weimar und Jena).

Im Rahmen des ersten, auch durch den GKV-Spitzenverband der Pflege- und Krankenkassen geförderten Projektes, beobachteten wir die Menschen mit Demenz während des Musikhörens genau. Mit Einsetzen der Musik zeigten sich unterschiedliche und individuell beeindruckende Reaktionen bei den musikhörenden Menschen: z. B. Erinnerungen aus dem eigenen Leben mit anschließenden Gesprächen, mitgeteilte Freude, Singen, aufmerksames Zuhören oder rhythmische Bewegungen.

Im aktuellen Folgeprojekt soll die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit nun auch in der häuslichen Pflege untersucht werden.

Ablauf der Studie

Die Durchführung der Studie erfolgt bei den Teilnehmenden zu Hause und erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. 18 Wochen.

Die Menschen mit Demenz werden aus wissenschaftlichen Gründen zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe hört über 6 Wochen regelmäßig, jeden zweiten Tag, für 20 Minuten über Kopfhörer die persönliche Lieblingsmusik. Das Musikhören wird von den pflegenden Angehörigen begleitet.

Die Musik wird über eine eigens entwickelte App auf einem zur Verfügung gestellten Tablet abgespielt. Die App bietet Unterstützungsmöglichkeiten über Video-Anleitungen zur Bedienung und Gestaltung der Musikhörintervention.

Es sind keine Vorkenntnisse mit Tablets notwendig. Sie erhalten von uns eine ausführliche Anleitung zur Bedienung des Tablets und Umsetzung der individualisierten Musikintervention.

Während der Sprechzeiten stehen wir ihnen gern telefonisch zur Seite und unterstützen sie. Die zweite Gruppe hört keine Musik und gestaltet wie gewohnt den Alltag. Diese Gruppe erhält nach Beendigung der Studie für ihre Teilnahme eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 Euro.  

Während der sechswöchigen Teilnahme füllen pflegende Angehörige täglich kurze Fragebögen zum Wohlbefinden (5-10 Min.) über das Tablet aus. Es werden drei individuell vereinbarte Hausbesuche durchgeführt. Zu vier Zeitpunkten erhalten sie zusätzlich etwas ausführlichere Fragebögen, die schriftlich ausgefüllt und telefonisch nachbesprochen werden.

Wer kann teilnehmen?

Es können Menschen mit einer ärztlich diagnostizierten Demenzdiagnose ohne gravierende Hörprobleme, die zuhause leben, gemeinsam mit einer bzw. einem pflegenden Angehörigen teilnehmen.

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